Versicherung

Fahrradversicherungen – Weniger Diebstähle, höhere Schadenssummen

Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Deutschland sinkt kontinuierlich – und doch melden Versicherer Schadenshöhen auf Rekordniveau. Das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines Trends: Gestohlen werden seltener die alten Klappräder, sondern immer öfter hochwertige (E‑)Bikes.

Besonders betroffen sind urbane Regionen, in denen die Zahl der Elektrofahrräder und teuren Mountainbikes in den letzten Jahren stark angestiegen ist.

„Der Diebstahl von E-Bikes ist für organisierte Banden besonders lukrativ“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Sie bringen hohe Verkaufspreise auf dem Schwarzmarkt und sind oft schlecht gesichert.“ Die Folge: Während die Fallzahlen sinken, steigen die Entschädigungen durch Versicherer kontinuierlich.

Rückgang der Diebstähle bei gleichzeitiger Rekord-Schadenshöhe

Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2024 rund 246.000 Fahrräder in Deutschland als gestohlen gemeldet – das entspricht einem Rückgang von etwa 6,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Zahl der versicherten Diebstähle, die von den Hausrat- oder speziellen Fahrradversicherungen erfasst wurden, sank nur leicht – von etwa 145.000 im Jahr 2023 auf 135.000 Fälle im Jahr 2024.

Bemerkenswert ist dabei vor allem der enorme Anstieg der Schadenssummen: Versicherer zahlten laut GDV insgesamt rund 160 Millionen Euro an ihre Kunden aus – ein Rekordwert und zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Schaden pro gestohlenem Fahrrad liegt inzwischen bei rund 1.190 Euro – fast dreimal so viel wie noch vor 20 Jahren. E‑Bikes machen den Großteil dieser Summe aus: Mit einem Durchschnittswert von etwa 2.650 Euro stellen sie inzwischen die häufigsten Schadensfälle.

Warum weniger geklaut, aber mehr verloren wird

Die Ursachen für diesen Trend sind vielfältig. Einerseits hat sich die Diebstahlprävention in den letzten Jahren verbessert: Fahrradabstellanlagen, GPS-Tracker, hochwertige Schlösser und polizeiliche Codierungen wirken. Andererseits setzen professionelle Täterbanden zunehmend auf gezielte Beutezüge, bei denen hochwertige Räder systematisch entwendet und ins Ausland gebracht werden.

„Unsere Ermittlungen zeigen, dass organisierte Strukturen hinter vielen Diebstählen stecken. Die Täter agieren professionell und oft international“, erklärt ein Sprecher der Berliner Polizei. Die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen bleibt deshalb erschreckend niedrig – sie liegt seit Jahren bei etwa 10 %.

Welche Versicherung deckt welchen Schaden?

Viele Fahrradbesitzer verlassen sich auf ihre Hausratversicherung, wenn es um den Schutz ihres Zweirads geht. Doch das kann problematisch werden.

Hausratversicherung – nicht immer ausreichend

In der klassischen Hausratversicherung sind Fahrräder gegen Einbruchdiebstahl in abgeschlossenen Räumen abgesichert – etwa in der Garage, im Keller oder in der Wohnung. Für Diebstahl im Freien braucht es jedoch eine Zusatzklausel, die oft mit Einschränkungen versehen ist. Manche Versicherer beschränken den Versicherungsschutz zeitlich – etwa auf die Nachtstunden – oder setzen eine bestimmte Schlossart voraus.

„Wer sein Fahrrad regelmäßig draußen abstellt, sollte genau prüfen, ob und in welchem Umfang es abgesichert ist“, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Oft sei die Entschädigung auf ein Prozent der gesamten Versicherungssumme gedeckelt – bei einer Versicherungssumme von 50.000 Euro also maximal 500 Euro.

Spezielle Fahrradversicherungen – maßgeschneidert für teure Räder

Deutlich umfangreicher ist der Schutz durch eine spezielle Fahrradversicherung. Diese Policen decken in der Regel nicht nur den Diebstahl, sondern auch Vandalismus, Unfall- und Sturzschäden sowie Reparaturkosten – inklusive elektronischer Bauteile wie Akku, Motor oder Display.

Die Kosten variieren je nach Anbieter und Umfang der Versicherung. Für ein E‑Bike im Wert von 2.500 Euro liegen die Jahresbeiträge je nach Tarif und Region zwischen 60 und 180 Euro. Einige Versicherer bieten auch Monatsbeiträge ab 5 Euro an – etwa die „Bike Protect“-Tarife von Ammerländer oder die Angebote von Wertgarantie, Hepster und anderen Direktversicherern.

Ein Beispiel: Ein junger Pendler aus Köln, dessen 2.700 Euro teures Trekking-E-Bike im April 2024 trotz zweier Schlösser verschwand, erhielt dank einer Fahrradversicherung binnen vier Wochen ein gleichwertiges Neurad ersetzt – inklusive Ersatzakku. Seine Aussage: „Ohne die Spezialversicherung hätte ich Pech gehabt – die Hausratversicherung hätte nur den Zeitwert ersetzt und den Akku gar nicht berücksichtigt.“

Für wen lohnt sich welche Versicherung?

Die Frage, ob eine spezielle Fahrradversicherung notwendig ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom Wert des Rades, dem Nutzungsverhalten und dem regionalen Diebstahlrisiko ab.

Teure Räder: Klare Empfehlung zur Spezialversicherung

Für Besitzer von E‑Bikes, hochwertigen Rennrädern oder Mountainbikes ab einem Neupreis von etwa 1.500 Euro ist der Abschluss einer spezialisierten Versicherung in der Regel sinnvoll – zumal Reparaturen an E‑Bikes teuer sind und schnell mehrere hundert Euro kosten können.

Günstigere Räder: Hausrat kann ausreichen

Wer ein einfaches Citybike nutzt, das selten im öffentlichen Raum abgestellt wird und dessen Wert unter 1.000 Euro liegt, kann mit einer erweiterten Hausratversicherung gut abgesichert sein – sofern die Zusatzklausel korrekt eingebunden ist. Die Verbraucherzentralen empfehlen dabei, auf die maximale Erstattungssumme und etwaige Ausschlusszeiten zu achten.

Regionale Unterschiede und neue Tarifmodelle

Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich auch nach dem Wohnort. In Städten mit hoher Diebstahlquote – etwa Leipzig, Berlin oder Münster – verlangen Versicherer oft höhere Prämien. Einige Anbieter entwickeln inzwischen flexible Modelle: App-basierte Policen, die tageweise aktiviert werden können („Pay-as-you-ride“), erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Der ADAC testet derzeit solche Produkte in ausgewählten Regionen.

Prävention: So schützt man sein Fahrrad effektiv

Neben dem Versicherungsschutz bleibt die Prävention zentral. Der GDV empfiehlt hochwertige Bügel- oder Kettenschlösser, die mindestens 50 Euro kosten sollten. Ideal ist eine Kombination aus zwei Schlössern unterschiedlicher Bauart. Auch eine feste Verankerung an nicht demontierbaren Gegenständen ist wichtig.

Immer mehr Nutzer setzen auf GPS-Tracker, mit denen sich gestohlene Räder orten lassen. Der Vorteil: Einige Versicherer gewähren bei installiertem Tracker Prämienrabatte oder schnellere Schadenregulierung.

Hilfreich ist auch die Codierung des Rades – etwa mit einem sogenannten EIN-Code oder durch die Registrierung bei Portalen wie BikeIndex oder dem polizeilich empfohlenen Fahrradpass. Diese Daten erleichtern die Rückführung gestohlener Fahrräder und erhöhen die Aufklärungswahrscheinlichkeit.

Versicherungen werden wichtiger – trotz sinkender Fallzahlen

Weniger Fahrraddiebstähle in Deutschland bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Im Gegenteil: Die Professionalisierung der Täter, der Boom hochwertiger E‑Bikes und die niedrige Aufklärungsquote machen gezielten Versicherungsschutz wichtiger denn je.

Wer ein teures Fahrrad besitzt oder regelmäßig im öffentlichen Raum unterwegs ist, sollte den Abschluss einer speziellen Fahrradversicherung ernsthaft in Betracht ziehen. Gleichzeitig bleibt Prävention unverzichtbar – durch gute Schlösser, Registrierungen und kluge Abstellgewohnheiten.

Denn am Ende gilt: Versicherungsschutz ist gut, aber Diebstahlvermeidung ist besser.

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